Aus dem Leben eines Schrottsammlers

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Der bosnische Regisseur Danis Tanovic, der für sein Kriegsdrama NO MAN´S LAND aus dem Jahr 2002 einen Oscar erhielt, verfilmt mit AUS DEM LEBEN EINES SCHROTTSAMMLERS eine Zeitungsnotiz – mit Laiendarstellern, mit den Menschen, die diese Geschichte selbst erlebt haben. Nazif Mujić, seine Frau Senada und ihre zwei kleinen Töchter spielen sich selbst in ihrem Haus. Die Familie ist Roma und lebt in sehr ärmlichen Verhältnissen in einem Dorf im Kanton Sarajewo. Ohne Dramatisierung und Sentimentalisierung zeigt Tanovic den alltäglichen Überlebenskampf einer Familie unterhalb des Existenzminimums. Während Nazif versucht, Geld mit gesammeltem Schrott aus ausgeschlachteten Autos zu verdienen, kümmert sich die schwangere Senada um den Haushalt und die beiden Töchter. Als sie eines Tages Blutungen und starke Schmerzen im Unterleib hat, fährt Nazif sie in die Klinik. Dort erfahren sie, dass ihr ungeborener Sohn tot ist und eine Operation dringend nötig ist. Senada droht sonst eine Blutvergiftung. Die Familie hat keine Krankenversicherung und kann sich den 500-Euro-teuren lebensrettenden Eingriff nicht leisten. Das Krankenhaus ist jedoch nicht bereit, die Behandlung ohne Bezahlung durchzuführen. Ein Kampf gegen die Zeit, den Tod und die Hoffnungslosigkeit beginnt…

Mujic bei der Berlinale 2013 (c) dpa-Bildfunk

Im Jahr 2013 wurde AUS DEM LEBEN EINES SCHROTTSAMMLERS auf der Berlinale uraufgeführt und erhielt zwei Auszeichnungen. Nazif Mujić erhielt den Silbernen Bären als bester männlicher Hauptdarsteller. Nach seiner Rückkehr von der Preisverleihung wurde er zu Hause in seinem Dorf als reicher Mann wahrgenommen, den man nicht mehr beim Schrottsammeln beteiligen musste. Mujić und seine Familie, die mit den Dreharbeiten 1.300 Euro verdient hatten, fuhren im November 2013 nach Berlin und beantragten dort Asyl. Als Roma waren sie in Bosnien auch weiterhin schwerwiegenden Diskriminierungen ausgesetzt und zu der schlechten finanziellen Situation kamen existenzbedrohende gesundheitliche Probleme hinzu. Als der Asylantrag abgelehnt wurde, reiste die Familie zurück nach Bosnien. Im Jahr 2016 musste Mujić den Silbernen Bären verkaufen. Im Februar 2018 wurde Mujić tot in seinem Haus aufgefunden. Es war bekannt, dass er seit einigen Jahren an Diabetes litt und das Geld für Insulin oft fehlte. Er hinterließ seine Frau und seine mittlerweile drei Kinder völlig mittellos.